Autogenes Training

Das Autogene Training wurde vom deutschen Arzt J. H. Schultz entwickelt. Typisch für das Verfahren sind kurze, formelhafte Vorstellungen wie „Ich bin ganz ruhig“ oder „Arme sind angenehm warm“. Das Verfahren wird daher auch als konzentrative Selbstentspannung bezeichnet.

Ein wesentliches Merkmal des Autogenen Trainings ist die Idee der Selbststeuerung. Die Entspannung wird nicht dauerhaft von außen angeleitet, sondern soll mit zunehmender Übung durch die eigene Vorstellung und Konzentration selbstständig herbeigeführt werden können.

Das Autogene Training beschränkt sich dabei nicht auf körperliche Entspannung. Mit den formelhaften Vorsätzen und der Oberstufe wurden Möglichkeiten entwickelt, die über die Übungen der Grundstufe hinausgehen.

Die Grundstufe

Das Autogene Training gliedert sich traditionell in Grund- und Oberstufe. In der Grundstufe steht zunächst das Erlernen systematischer Entspannung im Vordergrund.

Geübt werden insbesondere das Erleben von Ruhe, Schwere und Wärme sowie die Wahrnehmung von Atmung und Herzschlag. Weitere klassische Übungen beziehen sich auf den Bauchraum und die Vorstellung einer angenehm kühlen Stirn.

Die einzelnen Übungen werden zunächst schrittweise erlernt und später miteinander verbunden. Mit zunehmender Übung soll es möglich werden, den Entspannungszustand immer selbstständiger und mit weniger äußerer Anleitung herbeizuführen.

Die Grundstufe kann durch sogenannte formelhafte Vorsätze ergänzt werden.

Formelhafte Vorsätze

Formelhafte Vorsätze sind kurze, individuell formulierte Sätze, die während des Autogenen Trainings eingesetzt werden können. Während sich die klassischen Formeln der Grundstufe vor allem auf körperliche Empfindungen und Entspannung beziehen, richten sich formelhafte Vorsätze auf persönliche Einstellungen, Verhaltensweisen oder Ziele.

Die Formulierungen sollen möglichst kurz, eindeutig und positiv gehalten sein. Sie werden in den bereits eingeübten Entspannungszustand eingebunden und wiederholt.

Hier zeigt sich die Idee der Selbststeuerung noch einmal in einer erweiterten Form: Das Autogene Training dient nicht nur dazu, einen Entspannungszustand herbeizuführen. Der Übende kann den Zustand auch nutzen, um persönliche Vorsätze, Einstellungen oder Ziele einzubeziehen.

Formelhafte Vorsätze bilden damit zugleich einen Übergang zu den weiterführenden Möglichkeiten des Autogenen Trainings.

Die Oberstufe des Autogenen Trainings

Die Oberstufe wurde von J. H. Schultz als weiterführende Form des Autogenen Trainings entwickelt. Während in der Grundstufe die körperliche Entspannung im Mittelpunkt steht, arbeitet die Oberstufe vor allem mit inneren Bildern und Vorstellungen.

Sie wurde ursprünglich zur Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung sowie für den therapeutischen Einsatz konzipiert. Elemente der Oberstufe können in meditativer Form in Gruppen oder dialogisch im Einzelsetting eingesetzt werden.

Kennzeichnend sind Bilderlebnisse, die traditionell in einer bestimmten Reihenfolge angeregt werden. Dabei bestehen Berührungspunkte mit anderen imaginativen Verfahren, beispielsweise dem Katathymen Bilderleben nach Hanscarl Leuner oder der aktiven Imagination nach C.G. Jung.

Zu den klassischen Übungen der Oberstufe gehören unter anderem:

  • Farberlebnisse
  • Wahrnehmung konkreter Gegenstände
  • Betrachtung ideeller Werte
  • Übungen zur Charakterbildung
  • Reise auf den Meeresgrund
  • Reise auf einen Berggipfel
  • freie Bilder und individuelle Zielvorstellungen

Im Unterschied zur Grundstufe geht es damit nicht mehr ausschließlich um das Herbeiführen von Entspannung. Die auftauchenden Bilder und Assoziationen können vielmehr zum Ausgangspunkt für Selbstreflexion und persönliche Auseinandersetzung werden.

Autogenes Training in unterschiedlichen Kontexten

Autogenes Training kann sowohl im Rahmen von Stressbewältigung und Gesundheitsförderung als auch im therapeutischen Kontext eingesetzt werden. Gerade die Verbindung von Entspannung und Selbststeuerung unterscheidet das Verfahren von anderen Entspannungsmethoden.

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